Über uns

 

 

 

Es begann alles damit, daß der aus Fürth am Berg stammende Sozialdemokrat Karl Knauer, der dem Sonneberger Gemeinderat seit 1910 angehörte, im Jahre 1920 zum Bürgermeister von Sonneberg gewählt wurde.

Mit zu den ersten Taten der neuen Stadtverwaltung gehörte u.a. der Erwerb des großen Dressel´schen Grundstücks am Bromberg, welches den Schrebergärtnern zur Verfügung gestellt wurde. Kurz nach dem 1.Weltkrieg (1914-1918) war die Not groß und der Wunsch nach einem Fleckchen Erde für den Anbau von Obst und Gemüse sehr dringend. Die Pachtverträge wurden durch die Stadtverwaltung abgeschlossen, und zur Vertretung ihrer  Belange hatten die damaligen Pächter eine Kommision eingesetzt. Sehr bald erkannten die Kleingärtner, daß eine verbundene Gemeinschaft mehr ausrichten kann als eine Reihe von Einzelpersonen.

Unter dem Wahlspruch “Verbunden werden auch die Schwachen mächtig” fand sich eine stattliche Anzahl (61) beherzter Kleingärtner zusammen, die in der Fortentwicklung der Anlage ihre vornehmste Aufgabe sahen.

 

 

 

Sie gründeten am 21.Juli 1921 in der Gastwirtschaft Diller in der unteren Marktstraße den “Schrebergärtner-Verein Bromberg” und wählten ihren Vorstand. Dem Kommisionsvorsitzenden Anton Heinlein bot man das Ehrenamt als 1. Vorsitzender an. Pächter Franz Hellmuth wurde als Schriftführer und Pächter Markus Schilling als Kassierer gewählt. Die erste Epoche in der Geschichte der Gartenanlage war angebrochen.

Man ging mit eisernem Willen an die Arbeit. Bald hatte der Verein alle 94 Mitglieder erfaßt. Von den Kleingärtnern wurde mit viel Idealismus unwahrscheinliches bei der Anlage der Gärten geleistet. Die ersten  bescheidenen Lauben entstanden. Zwar konnte bis zum 2.Weltkrieg die Zufahrt zur Anlage durch das Haus Untere Marktstraße bis Gärten Übel/Bauersachs mit einspännigen Pferdewagen für den Transport von Lasten genutzt  werden, aber der Großteil aller Materialien mußte damals, wie auch heute noch von den Pächtern der Unteren Anlage, über die Röthenbrücke in die Gärten getragen und die Ernte wieder herausgetragen werden. Nachdem die  Zufahrtbrücke verfiel und von der Stadtverwaltung wegen Geldmangels auch nicht erneuert wurde, war diese Transportmöglichkeit ganz weggefallen.

Um die Versammlungen der Mitglieder nicht weiterhin im Freien durchführen zu müssen, wurde 1923 eine provisorische Schutzhütte errichtet. Wasserzapfstellen entstanden. An bestimmten Tagen wurde zu bestimmten  Zeiten Wasser eimerweise ausgegeben. 1 Eimer kostete 1 Pfennig. Als die Stadtverwaltung einmal den Wasserpreis erhöhte, streikten die Kleingärtner und angelten mit Eimer und Töpfen an langen Seilen von der damaligen  Holzbrücke aus das Wasser vorübergehend aus der Röthen.

Im Juli 1924 fanden Verhandlungen mit der Stadtverwaltung statt, in deren Folge die Gesamtanlage in Eigenverwaltung übernommen wurde.

1926 erwarb der Verein die sogenannte Veranda des Lokals “Felsenkeller”. Die erforderlichen Mittel in Höhe von 2133 RM wurden von den Mitgliedern aufgebracht. Die Kleingärtner bauten die Veranda ab, schleppten die Teile zum Bromberg und stellten sie dort wieder auf. Sie maß 5*10 Meter und war der ganze Stolz des Vereins. Sie brachte großen geselligen Auftrieb.

In den Folgejahren wurde dann der Bierkeller in den Berg getrieben und 1928 mit einem Darlehen vom Brauhaus Sonneberg der Küchenanbau getätigt. 1958 kam der Toilettenanbau und 1988 der Anbau für das Küchenlager  und den Archivraum hinzu. In jüngster Zeit wurde das Vereinsheim von einem privaten Pächter übernommen und renoviert, der sich aber leider weder an Absprachen noch an Verträge hielt, die Wirtschaft eigenmächtig  schloß und arg vergammeln ließ.

Aber auch in der Vergangenheit hatte die Bewirtschaftung des Vereinsheimes eine wechselvolle Geschichte. Es gab gute und weniger gute Wirtsleute und 1942 war sogar eine ausgebombte kinderreiche Familie aus dem Rheinland dort einquartiert.

Große persönliche Leistungen vollbrachten die Kleingärtner des Bromberg auch, als sie 1958 einen Handwagenbreiten Zugangsweg von der Wehdstraße durch den Wald zur Anlage bauten, welcher ab 1962 und in den Folgejahren mehrmals verbreitet, beschottert und 1986 mit finanzieller Unterstützung des Staatlichen Forstbetriebes auch beleuchtet wurde. Somit war nun ein Fahrweg vorhanden, der in den Parkplatz mündet und auch  eine bessere Versorgung des Vereinsheimes ermöglichte. Eine zusätzliche Verbesserung erfuhr dieser Fahrweg durch eine gepflasterte Einfahrt, die im Zuge des Baus der Wehdstraße jüngst beschert wurde. Im Winter 1987 allerdings nutzten uns alle Wege der Anlage nichts. Unmengen von Schneemassen machten jegliches Passieren unmöglich. Der Vorstand rief, und viele kamen. 25 Kleingärtner schaufelten stundenlang nötige Zugänge frei.

1971 wurde die Hauptwasserleitung von der Crämer-Allee auf der Wehd bis zur Anlage neu verlegt. Die Initiative der Mitglieder war vorbildlich. 180 laufende Meter bei einer Tiefe von 1,3m in kürzester Zeit zu graben, Rohr zu verlegen und wieder zu schließen, Sodas jeder Garten seinen eigenen Anschluß bekommen konnte, von solchen Aktionen können wir heute bloß noch träumen. Auch die alten Strommasten wurden morsch und brüchig mit der Zeit, sie wurden zu Vorwendezeiten abgebaut und Erdkabel verlegt. Trotz schwierigster Materialbeschaffung von Kabel und Verteilerkästen : auf engagierte Kleingärtner war immer Verlass.

Über 3 Gesellschaftsordnungen hinweg haben die Mitglieder unserer Anlage ihren Zusammenhalt bewiesen. In allen Zeiten gab es Höhen und Tiefen, Jeder Vorstand hatte seine eigenen Schwierigkeiten.

Die Gründungsprobleme der meist arbeitslosen Kleingärtner fallen in die Zeit der Weimarer Republik, der Hitlerkrieg raffte die Männer hinweg und ließ die Frauen mit ihren Kindern, ihren Sorgen und Nöten, dem  Broterwerb und dem für den Lebensunterhalt notwendigen Obst- und Gemüseanbau in den Gärten allein.

Nach dem Krieg wurden die größeren Gärten geteilt, im die rege Nachfrage befriedigen zu können. Durch die sogenannte Hartwigs-Anlage wurden weitere 29 Gärten geschaffen. Zu dieser Zeit nahmen durch die Not der  Nachkriegsjahre die Diebstähle in der Anlage so zu, daß jedes Mitglied bzw. ein Angehöriger abwechselnd Nachtwache schieben mußte, um das Eigentum der Kleingärtner zu schützen.

Zu DDR-Zeiten wurde die Kleingartenanlage in den VKSK integriert. Die Lauben wurden teilweise zu “Bungalows”. Gartenverträge wurden aus Wettbewerbsgründen erfaßt und abgerechnet, wobei die Ablieferung an den  Handel eine große Rolle spielte. Blumenbeete und Erhohlungsflächen nahmen zu. Wer keinen FDGB-Urlaub bekam, war froh, seinen Urlaub in “Brombergien” verbringen zu können.

Und nun sind wir in der 4. Gesellschaftsordnung angekommen. Der anfänglicher Trend, Gärten aufzugeben und statt dessen zu reisen, scheint vorbei. Die vielen Arbeitslosen und Vorruheständler sind froh, nicht nutzlos beiseite gelegt zu sein, sondern in ihren Kleingärten sinnvoll für sich selbst und das öffentliche Grün der Stadt wirken zu können. Nur die ehrenamtlichen Tätigkeiten sind nicht mehr so gefragt. Mit der Ehre  allein will kaum einer mehr entlohnt werden.

Aber: Immer und zu allen Zeiten fanden sich Enthusiasten und Anhänger der Bromberg-Tradition, die das Erbe der Gründer pflegten und ehrenamtlich ihre ganze Kraft dem Zusammenhalt der Mitglieder und der Weiterentwicklung unserer schönen aber schwierigen Anlage widmeten. Möge diese Tradition des Bromberg auch weiterhin Bestand haben. Weiterhin Bestand haben sollte auch die Tradition, besonderer Leistungen von Kleingärtner zu würdigen. In der Vergangenheit geschah dies auf vielfältiger Weise:

Dem ehemaligen Bürgermeister Karl Knauer wurde ein Gedenkstein gestiftet, der zur Nazizeit entfernt werden mußte aber längst wieder auf dem Armin-Fischer-Platz steht. Die Büste von Karl Knauer dagegen stand jahrzehntelang im Vereinsheim, seit der Wende ist sie jedoch verschwunden. Der Mittelweg wurde in Karl-Förster-Weg umbenannt. Karl Marcus Förster (geb.24.11.1889) starb am 17.02.1980 im 91. Lebensjahr als letzter Mitbegründer der Anlage und hat bis zu seinen 80. Geburtstag hinaus seinen Garten noch selbst bewirtschaftet. Weitere Ehrungen erfolgten durch die Namengebungen “Hermann-Renner-Weg”, “Hümmrichsschlucht” und  Armin-Fischer-Platz. Aber viele, viele, viele andere Kleingärtner haben in all den Jahren ebenso aufopferungsvoll für den Verein gewirkt, Freizeit investiert, Kraft verbraucht. Ihre Namen sind in Vergessenheit  geraten, ihr Wirken aber hat dem Bromberg Bestand verliehen. Wir möchten in Dankbarkeit der Toten gedenken, indem wir die Lebenden ermuntern, in ihrem Sinn weiterhin für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer schönen Anlage zu wirken .