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Sie gründeten am 21.Juli 1921 in der Gastwirtschaft Diller in der
unteren Marktstraße den “Schrebergärtner-Verein Bromberg” und wählten ihren
Vorstand. Dem Kommisionsvorsitzenden Anton Heinlein bot man das Ehrenamt
als 1. Vorsitzender an. Pächter Franz Hellmuth wurde als Schriftführer und
Pächter Markus Schilling als Kassierer gewählt. Die erste Epoche in der
Geschichte der Gartenanlage war angebrochen.
Man ging mit eisernem Willen an die Arbeit. Bald hatte der Verein
alle 94 Mitglieder erfaßt. Von den Kleingärtnern wurde mit viel Idealismus
unwahrscheinliches bei der Anlage der Gärten geleistet. Die ersten
bescheidenen Lauben entstanden. Zwar konnte bis zum 2.Weltkrieg die Zufahrt
zur Anlage durch das Haus Untere Marktstraße bis Gärten Übel/Bauersachs mit
einspännigen Pferdewagen für den Transport von Lasten genutzt werden,
aber der Großteil aller Materialien mußte damals, wie auch heute noch von
den Pächtern der Unteren Anlage, über die Röthenbrücke in die Gärten
getragen und die Ernte wieder herausgetragen werden. Nachdem die
Zufahrtbrücke verfiel und von der Stadtverwaltung wegen Geldmangels auch
nicht erneuert wurde, war diese Transportmöglichkeit ganz weggefallen.
Um die Versammlungen der Mitglieder nicht weiterhin im Freien
durchführen zu müssen, wurde 1923 eine provisorische Schutzhütte errichtet.
Wasserzapfstellen entstanden. An bestimmten Tagen wurde zu bestimmten
Zeiten Wasser eimerweise ausgegeben. 1 Eimer kostete 1 Pfennig. Als die
Stadtverwaltung einmal den Wasserpreis erhöhte, streikten die Kleingärtner
und angelten mit Eimer und Töpfen an langen Seilen von der damaligen
Holzbrücke aus das Wasser vorübergehend aus der Röthen.
Im Juli 1924 fanden Verhandlungen mit der Stadtverwaltung statt, in deren
Folge die Gesamtanlage in Eigenverwaltung übernommen wurde.
1926 erwarb der Verein die sogenannte Veranda des Lokals
“Felsenkeller”. Die erforderlichen Mittel in Höhe von 2133 RM wurden von
den Mitgliedern aufgebracht. Die Kleingärtner bauten die Veranda ab,
schleppten die Teile zum Bromberg und stellten sie dort wieder auf. Sie maß
5*10 Meter und war der ganze Stolz des Vereins. Sie brachte großen
geselligen Auftrieb.
In den Folgejahren wurde dann der Bierkeller in den Berg getrieben
und 1928 mit einem Darlehen vom Brauhaus Sonneberg der Küchenanbau
getätigt. 1958 kam der Toilettenanbau und 1988 der Anbau für das
Küchenlager und den Archivraum hinzu. In jüngster Zeit wurde das
Vereinsheim von einem privaten Pächter übernommen und renoviert, der sich aber
leider weder an Absprachen noch an Verträge hielt, die Wirtschaft
eigenmächtig schloß und arg vergammeln ließ.
Aber auch in der Vergangenheit hatte die Bewirtschaftung des
Vereinsheimes eine wechselvolle Geschichte. Es gab gute und weniger gute
Wirtsleute und 1942 war sogar eine ausgebombte kinderreiche Familie aus dem
Rheinland dort einquartiert.
Große persönliche Leistungen vollbrachten die Kleingärtner des
Bromberg auch, als sie 1958 einen Handwagenbreiten Zugangsweg von der
Wehdstraße durch den Wald zur Anlage bauten, welcher ab 1962 und in den
Folgejahren mehrmals verbreitet, beschottert und 1986 mit finanzieller
Unterstützung des Staatlichen Forstbetriebes auch beleuchtet wurde. Somit
war nun ein Fahrweg vorhanden, der in den Parkplatz mündet und auch
eine bessere Versorgung des Vereinsheimes ermöglichte. Eine zusätzliche
Verbesserung erfuhr dieser Fahrweg durch eine gepflasterte Einfahrt, die im
Zuge des Baus der Wehdstraße jüngst beschert wurde. Im Winter 1987
allerdings nutzten uns alle Wege der Anlage nichts. Unmengen von
Schneemassen machten jegliches Passieren unmöglich. Der Vorstand rief, und
viele kamen. 25 Kleingärtner schaufelten stundenlang nötige Zugänge frei.
1971 wurde die Hauptwasserleitung von der Crämer-Allee auf der Wehd
bis zur Anlage neu verlegt. Die Initiative der Mitglieder war vorbildlich.
180 laufende Meter bei einer Tiefe von 1,3m in kürzester Zeit zu graben,
Rohr zu verlegen und wieder zu schließen, Sodas jeder Garten seinen eigenen
Anschluß bekommen konnte, von solchen Aktionen können wir heute bloß noch
träumen. Auch die alten Strommasten wurden morsch und brüchig mit der Zeit,
sie wurden zu Vorwendezeiten abgebaut und Erdkabel verlegt. Trotz
schwierigster Materialbeschaffung von Kabel und Verteilerkästen : auf
engagierte Kleingärtner war immer Verlass.
Über 3 Gesellschaftsordnungen hinweg haben die Mitglieder unserer
Anlage ihren Zusammenhalt bewiesen. In allen Zeiten gab es Höhen und
Tiefen, Jeder Vorstand hatte seine eigenen Schwierigkeiten.
Die Gründungsprobleme der meist arbeitslosen Kleingärtner fallen in
die Zeit der Weimarer Republik, der Hitlerkrieg raffte die Männer hinweg
und ließ die Frauen mit ihren Kindern, ihren Sorgen und Nöten, dem
Broterwerb und dem für den Lebensunterhalt notwendigen Obst- und Gemüseanbau
in den Gärten allein.
Nach dem Krieg wurden die größeren Gärten geteilt, im die rege
Nachfrage befriedigen zu können. Durch die sogenannte Hartwigs-Anlage
wurden weitere 29 Gärten geschaffen. Zu dieser Zeit nahmen durch die Not
der Nachkriegsjahre die Diebstähle in der Anlage so zu, daß jedes
Mitglied bzw. ein Angehöriger abwechselnd Nachtwache schieben mußte, um das
Eigentum der Kleingärtner zu schützen.
Zu DDR-Zeiten wurde die Kleingartenanlage in den VKSK integriert. Die
Lauben wurden teilweise zu “Bungalows”. Gartenverträge wurden aus
Wettbewerbsgründen erfaßt und abgerechnet, wobei die Ablieferung an
den Handel eine große Rolle spielte. Blumenbeete und
Erhohlungsflächen nahmen zu. Wer keinen FDGB-Urlaub bekam, war froh, seinen
Urlaub in “Brombergien” verbringen zu können.
Und nun sind wir in der 4. Gesellschaftsordnung angekommen. Der
anfänglicher Trend, Gärten aufzugeben und statt dessen zu reisen, scheint
vorbei. Die vielen Arbeitslosen und Vorruheständler sind froh, nicht nutzlos
beiseite gelegt zu sein, sondern in ihren Kleingärten sinnvoll für sich
selbst und das öffentliche Grün der Stadt wirken zu können. Nur die
ehrenamtlichen Tätigkeiten sind nicht mehr so gefragt. Mit der Ehre
allein will kaum einer mehr entlohnt werden.
Aber: Immer und zu allen Zeiten fanden sich Enthusiasten und Anhänger
der Bromberg-Tradition, die das Erbe der Gründer pflegten und ehrenamtlich
ihre ganze Kraft dem Zusammenhalt der Mitglieder und der Weiterentwicklung
unserer schönen aber schwierigen Anlage widmeten. Möge diese Tradition des
Bromberg auch weiterhin Bestand haben. Weiterhin Bestand haben sollte auch
die Tradition, besonderer Leistungen von Kleingärtner zu würdigen. In der
Vergangenheit geschah dies auf vielfältiger Weise:
Dem ehemaligen Bürgermeister Karl Knauer wurde ein Gedenkstein
gestiftet, der zur Nazizeit entfernt werden mußte aber längst wieder auf
dem Armin-Fischer-Platz steht. Die Büste von Karl Knauer dagegen stand
jahrzehntelang im Vereinsheim, seit der Wende ist sie jedoch verschwunden.
Der Mittelweg wurde in Karl-Förster-Weg umbenannt. Karl Marcus Förster
(geb.24.11.1889) starb am 17.02.1980 im 91. Lebensjahr als letzter
Mitbegründer der Anlage und hat bis zu seinen 80. Geburtstag hinaus seinen
Garten noch selbst bewirtschaftet. Weitere Ehrungen erfolgten durch die
Namengebungen “Hermann-Renner-Weg”, “Hümmrichsschlucht” und
Armin-Fischer-Platz. Aber viele, viele, viele andere Kleingärtner haben in
all den Jahren ebenso aufopferungsvoll für den Verein gewirkt, Freizeit investiert,
Kraft verbraucht. Ihre Namen sind in Vergessenheit geraten, ihr
Wirken aber hat dem Bromberg Bestand verliehen. Wir möchten in Dankbarkeit
der Toten gedenken, indem wir die Lebenden ermuntern, in ihrem Sinn
weiterhin für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer schönen Anlage
zu wirken .
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